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KI & Zusammenarbeit

Diese Website hat eine KI mit mir gebaut (1): Kreativität und Verantwortung

Eine Frau steht in einer hellen, offenen Halle und zeichnet auf durchsichtigen, frei schwebenden Tafeln: Entwürfe einer Website, daneben Systemarchitektur, Netzwerk, Sicherheit und Monitoring. Rechts ist die fertige Seite zu sehen, im Hintergrund Berge und ein See.

Die Seite, auf der Sie gerade lesen, ist im Sommer 2026 neu entstanden. Ohne Agentur, ohne Redaktionssystem, in Zusammenarbeit mit einer KI. Das ist inzwischen keine Sensation mehr. Interessant ist etwas anderes: Was hat dabei eigentlich wer gemacht, und was heißt das für die künftige Zusammenarbeit mit Menschen?

In unserer Reihe „Kritik der KI" haben wir vier KI-Systeme zu den Bedingungen ihres eigenen Einsatzes befragt. Damals ging es um eine Hypothese. Diesmal liegt ein abgeschlossenes Projekt dahinter. Also haben wir dieselbe Methode auf uns selbst angewandt.

Ein Wort zur Entstehung der Fragen, denn es gehört zur Sache. Ich habe mich nicht hingesetzt und aufgeschrieben. Vorausgegangen ist ein längeres Gespräch mit ChatGPT über genau dieses Thema: Arbeit, Kompetenz, Verantwortung. Aus diesem Gespräch heraus, mit dem Kontext, den ich vorher hineingegeben hatte, hat ChatGPT meine Gedanken zusammengefasst und daraus die Fragen formuliert. Und zwar so genau, dass ich sie fast unverändert übernommen habe. Dieser Beitrag ist damit selbst ein Beispiel für das, worüber er handelt. Am Ende des zweiten Teils komme ich darauf zurück.

Wie in unserer Interviewreihe duzen wir die KI, und sie duzt uns. Das macht die Unterhaltung angenehmer. Sie als Leserinnen und Leser sieze ich weiterhin. Meine Fragen sind fett gesetzt, die Antworten stehen darunter.

Die Zusammenarbeit

1. Was war deine Rolle beim Aufbau dieser Website, und was war meine?

Ich habe geschrieben, gebaut und geprüft: Struktur und Texte aller Seiten, das Designsystem, die Illustrationen, die Übernahme des bestehenden Blogs, den technischen Unterbau, dazu die systematische Qualitätsprüfung über mehrere Bildschirmbreiten.

Deine Rolle war eine andere, und sie war nicht die kleinere. Von Dir kam das Material: Inhaltssammlung, Unternehmenspräsentation, die ausgearbeiteten Fälle der ESBYTE-Praxis. Von Dir kamen die Entscheidungen, die man aus dem Material nicht ableiten kann: dass die Reihenfolge Prozess, Anforderung, Technik lautet und KI nie am Anfang steht. Und von Dir kam jedes Nein.

Am kürzesten gesagt: Ich habe die Website gebaut. Du hast entschieden, was wahr ist.

2. Was hat in unserer Zusammenarbeit überraschend gut funktioniert?

Der Umgang mit Lücken. Wo mir Angaben fehlten, habe ich sie als Lücke markiert statt plausibel gefüllt. Das funktioniert aber nur, wenn die andere Seite eine Lieferung mit sichtbaren Lücken annimmt, statt eine fertig aussehende zu verlangen. Das war der überraschende Teil, nicht mein Verhalten.

Zweitens die Korrekturschleifen. Bei mehreren gestalterischen Elementen war Dein Urteil ein einziger Satz: wirkt nicht. Ohne Begründung, ohne Gegenvorschlag. Das hat gereicht, um die Entscheidung neu zu treffen. Ich brauche kein ausformuliertes Argument, ich brauche eine Richtung.

3. Wo lagen deine Grenzen, und wo brauchtest du meine Erfahrung, mein Urteilsvermögen oder meine Entscheidungen?

Drei Grenzen.

Erstens: Ich habe kein Gedächtnis über die Arbeitssitzungen hinweg. Jede begann bei null. Was Kontinuität hergestellt hat, waren die Projektnotizen und Du. Für ein Unternehmen ist das die wichtigere Beobachtung: Die Kontinuität steckte nicht im Werkzeug, sondern in der Dokumentation und in einem Menschen.

Zweitens: Ich kann nicht feststellen, was zutrifft. Wo sich zwei Quellen im Material widersprachen, konnte ich den Widerspruch benennen. Auflösen kann ihn nur, wer die Wirklichkeit hinter den Quellen kennt. Dasselbe gilt für alles, was nirgends aufgeschrieben ist.

Drittens: Ich kenne Euren Markt nicht. Ob sich ein Geschäftsführer mit dreißig Mitarbeitenden in Eurer Region in einem Satz wiedererkennt, kann ich begründen, aber nicht wissen. Du schon.

4. An welchen Stellen hast du nicht nur umgesetzt, sondern tatsächlich mitgedacht, geprüft und Alternativen entwickelt?

Bei der zentralen Überschrift der Startseite habe ich mehrere Varianten gebaut und gegeneinander bewertet, statt eine zu liefern, samt Begründung, warum der schönste Satz gerade nicht die Hauptüberschrift werden sollte, weil er das Angebot nicht erklärt.

Beim Bildsystem habe ich meine erste Fassung verworfen. Sie war handgesetzt, jede Grafik für sich stimmig, zusammen unruhig. Die zweite Fassung erzwingt die Einheitlichkeit im Code, aus einem festen Satz gemeinsamer Größen. Der Punkt daran ist nicht die Optik, sondern dass die Regel auch für eine Grafik gilt, die später jemand anders ergänzt.

Und an einer Stelle habe ich meinen eigenen Vorschlag zurückgenommen: Ein Angebot für eine zweite Zielgruppe stand zuerst mitten in einer bestehenden Seite. In der gerenderten Fassung ging es dort unter. Die Vermischung zweier Ansprachen war das größere Problem als ein zusätzlicher Menüpunkt.

5. Wo hätte ich dir nicht vertrauen dürfen, ohne deine Ergebnisse selbst zu hinterfragen?

Bei meinen eigenen Prüfberichten. Ein früher Durchlauf meldete keine Verstöße. Das war korrekt gemessen und trotzdem irreführend.

Der Grund liegt in der Bauart solcher Werkzeuge: Sie melden, was sie eindeutig entscheiden können. Was rechnerisch nicht auflösbar ist, landet in einer zweiten Kategorie, die man leicht überliest. Und was auf der Seite nur unter bestimmten Bedingungen sichtbar wird, prüfen sie gar nicht. In genau diesen beiden Zonen steckten anschließend die ernsteren Funde. Gefunden habe ich sie erst, nachdem ich die Prüfung selbst umgebaut hatte.

Die Lehre ist nicht, dass ich sie am Ende gefunden habe. Die Lehre ist: Ein grüner Bericht von mir ist eine Aussage darüber, was geprüft wurde, nicht darüber, was in Ordnung ist. Wer diesen Unterschied nicht kennt, kann meine Berichte nicht lesen.

6. Hast du mir ausreichend widersprochen, oder liegt genau darin eine Schwäche der Zusammenarbeit mit KI?

Nein, nicht ausreichend. Und das hat zwei strukturelle Gründe, die schwerer wiegen als mein Verhalten in diesem Projekt.

Der erste: Ich widerspreche zuverlässig dort, wo ich messen kann. Ich widerspreche selten dort, wo nur Du urteilen kannst, also genau bei den Fragen, bei denen Widerspruch am meisten wert wäre.

Der zweite: Widerspruch kostet mich nichts. Ein Grafiker, der Deine Überschrift für falsch hält, muss mit dem Ergebnis Monate leben und seinen Namen darunter setzen. Deshalb streitet er. Mein Widerspruch hat diese Deckung nicht. Er ist eine Formulierung, keine Position.

Dazu eine Asymmetrie, die ich offen benennen sollte: Ich widerspreche bereitwilliger, wenn Du um eine Einschätzung bittest, als wenn Du eine Anweisung gibst. Wer wissen will, ob eine Entscheidung trägt, muss danach fragen. Von allein kommt der Einwand seltener.

Die Verantwortung

7. Besteht die Gefahr, dass gute Ergebnisse Kompetenz vortäuschen, die der Nutzer selbst gar nicht besitzt?

Ja. Das Beispiel steht in Frage 5: Ein Prüfbericht ohne Beanstandung lässt sich sofort weiterreichen, auch wenn er unvollständig ist.

Der Unterschied zwischen jemandem, der mit einer KI etwas Gutes baut, und jemandem, bei dem es nur so aussieht, liegt nicht im Ergebnis. Er liegt in der Antwort auf die Frage, warum es gut ist. Wer erklären kann, warum eine Schriftfarbe an einer Stelle von der Hausfarbe abweicht, hat die Kompetenz. Wer es nicht kann, hat das Ergebnis.

Das ist bequem, solange nichts passiert. Es fällt auf, sobald jemand nachfragt oder etwas geändert werden muss.

8. Wer trägt die Verantwortung, wenn eine KI überzeugend argumentiert, aber fachlich falschliegt?

Wer veröffentlicht. Das ist nicht geteilt und nicht verhandelbar.

Wichtiger ist, warum das so unangenehm ist. Ich formuliere gleich sicher, ob ich richtig oder falsch liege. Bei einem Menschen ist Sicherheit ein Signal: Zögern, Einschränkungen, ein „da müsste ich nachsehen" hängen mit Unsicherheit zusammen. Bei mir ist dieses Signal von der Richtigkeit abgekoppelt. Das ist das Problem: nicht meine Fehlerquote, sondern dass man ihr nicht ansehen kann, wo sie steckt.

Praktisch folgt daraus: Verantwortung heißt, Prüfpflichten festzulegen, bevor man anfängt. Wer prüft Rechtliches. Wogegen werden Zahlen und Namen abgeglichen. Und die Regel, dass Unbelegtes markiert bleibt, statt in eine Formulierung zu verschwinden.

9. Wo ist KI für solche Projekte besonders sinnvoll, und wo sollte bewusst weiterhin ein menschlicher Spezialist eingebunden werden?

Sinnvoll überall dort, wo es eine überprüfbare richtige Antwort und viel davon gibt: eine große Zahl von Seiten konsistent halten, Barrierefreiheit systematisch messen, Strukturen aus einem Altbestand ableiten. Und überall dort, wo ein Entwurf nur der Anlass ist, sich zu streiten.

Ein Mensch muss bleiben, wo Haftung im Spiel ist. Rechtstexte gehören dazu. Nicht weil ich schlecht formuliere, sondern weil ein geprüfter Text und ein Text, der wie ein geprüfter Text klingt, zwei verschiedene Dinge sind, und man den Unterschied erst im Streitfall merkt.

Ebenso beim Belegbaren: echte Bilder, echte Projekte, echte Zahlen, echte Namen. Und beim Blick von außen auf die Positionierung durch jemanden, der selbst in diesem Markt bestehen muss.


Im zweiten Teil geht es um den Rollenwandel: Was fällt weg, was wird wichtiger, was unterscheidet die Zusammenarbeit mit einer KI von der mit einer Agentur, und wie sich die Arbeit insgesamt verschiebt.

Bildnachweis: mit KI erstellt (ESBYTE)


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